Der 2009 von Manfred Rothenberger und Kathrin Mayer in Nürnberg gegründete Verlag starfruit publications präsentiert außergewöhnliche Formen der Zusammenarbeit zwischen zeitgenössischen Autoren und Künstlern.
2012 erhielt starfruit publications den vom Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst verliehenen Preis für einen bayerischen Kleinverlag (aus der Begründung der Jury: »starfruit publications bietet ausgewählten zeitgenössischen Autoren und Künstlern eine Publikationsplattform für ungewöhnliche Gemeinschaftsprojekte – die sorgfältig und liebevoll gestalteten Bände proben den Salto Mortale zwischen Gegenwartskunst und Literatur in immer neuen Erscheinungsformen.«)
2015 wurde die Publikation »Magische Rosinen« von Joshua Groß und Philippe Gerlach von der Stiftung Buchkunst unter »Die schönsten deutschen Bücher 2015« gewählt.
Die starfruit-Bücher werden von Timo Reger gestaltet. Die inhaltliche Verantwortung liegt bei Manfred Rothenberger.

Pressestimmen

19. Oktober 2012

Kongenial spartenübergreifende Buchkunst

Der mit 5.000 Euro dotierte »Preis für einen bayerischen Kleinverlag« – vergeben vom Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst – geht in diesem Jahr an starfruit publications aus Nürnberg. Der Preis soll die Wertschätzung des Freistaats Bayern für unabhängige Verlage ausdrücken.
Die Jury würdigte das klare und konsequente Programm des 2009 von Manfred Rothenberger und Kathrin Mayer in Nürnberg gegründeten Verlags: starfruit publications bietet ausgewählten zeitgenössischen Autoren und Künstlern eine Publikationsplattform für ungewöhnliche Gemeinschaftsprojekte – »die sorgfältig und liebevoll gestalteten Bände proben den Salto Mortale zwischen Gegenwartskunst und Literatur in immer neuen Erscheinungsformen«, heißt es in der Pressemitteilung des Ministeriums.

Kunstminister Heubisch: »Dieser kleine Verlag ermöglicht auf zeitgemäße Weise das Entstehen kongenial spartenübergreifender Buchkunst. Ein so kreativer und innovativer Ansatz gibt der Branche wichtige Impulse. Der Bayerische Kleinverlagspreis soll hier in besonderer Weise als Anschub und Motivation wirken, auf diesem Weg fortzufahren.«

Der Preis für einen bayerischen Kleinverlag wurde 2009 im Rahmen des bayerischen Literaturförderprogramms geschaffen und wird jährlich auf Vorschlag einer Jury vergeben. »Die kleinen Verlage sind Teil der kulturellen Vielfalt in Bayern«, bekräftigt Kunstminister Heubisch. »Der Kleinverlagspreis ist Ausdruck der Wertschätzung der Bayerischen Staatsregierung für verlegerischen Enthusiasmus, Eigensinn und Entdeckermut.«

Neben dem Preisgeld in Höhe von 5.000 Euro ist die Auszeichnung auch in diesem Jahr mit weiteren Förderungen verbunden: Der bayerische Landesverband des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels finanziert wie in den vergangenen Jahren dem ausgezeichneten Verlag die Standgebühren für die im November stattfindende Münchner Bücherschau und ermöglicht ihm außerdem zwei Fortbildungen.

Der Preis wird am 30. November zum Auftakt des Marktes der unabhängigen Verlage »Andere Bücher braucht das Land« im Rahmen des Literaturfests München im Literaturhaus München verliehen. Der prämierte Verlag wird sich dort mit einem eigenen Stand präsentieren.

16. Oktober 2012

gallerytalk.net: Wann haben Sie die zeitgenössische Kunst für sich entdeckt und wie hat sich seitdem Ihr Verhältnis zur Kunst entwickelt?

Manfred Rothenberger: Ein Schulfreund, der sich schon immer als Künstler empfand, hat im Unterricht ständig gezeichnet und jeden Tag unter der Schulbank einen anderen Kunstband durchgeblättert. Das hat mich irgendwie infiziert.
Als ich dann später Germanistik, Anglistik und Kunstgeschichte studierte, war ich recht schnell genervt von der Arroganz und Leidenschaftslosigkeit der verbeamteten Geisteswissenschaftler. Ihre Ignoranz gegenüber allen aktuellen künstlerischen Strömungen und ihre Angst vor jedem nicht sofort klassifizierbaren kreativen Impuls war ernüchternd. Dichtung und Kunst wurden nicht zum Sprechen gebracht, sondern geknebelt und mundtot gemacht. Ich spürte fast körperlich, wie sich Kafka und Kirchner, Trakl und Magritte in ihren Gräbern wälzten und fluchten über die Regalkilometer an überflüssiger Sekundär- und Tertiärliteratur, die blutlose Wissenschaftler über sie verfassten. So gründete ich mit einigen anderen enttäuschten Studenten ein Magazin namens »Bateria«. Als »Zeitschrift für künstlerischen Ausdruck« bot diese eine Veröffentlichungsplattform für zeitgenössische Literatur und Kunst und sicherte gleichzeitig den Herausgebern, also uns Studenten, das mentale Überleben während des Studiums. Die meisten Künstler und Autoren, die wir ansprachen, waren vom Konzept der »Bateria«, Texte und Bilder nicht illustrativ aufeinander zu beziehen, sondern gleichberechtigt nebeneinander zu stellen, begeistert. Die englische Malerin Bridget Riley hat uns einmal sogar 25 Siebdrucke geschenkt, um mit deren Verkauf die Produktion einer Ausgabe zu finanzieren.

gallerytalk.net: Im zusammen mit Kathrin Mayer gegründeten Verlag »starfruit publications« geben Sie eine eigene Buchreihe heraus. Wie sieht deren Konzept aus?

Manfred Rothenberger: Mit »starfruits publications« haben wir die zentrale Idee von »Bateria« wieder aufgegriffen, allerdings in verschlankter bzw. konzentrierter Form. Jeder »starfruit«-Titel präsentiert ein Kooperationsprojekt zwischen einem Schriftsteller und einem Künstler. Es erscheinen lediglich ein bis zwei Bücher pro Jahr. Nicht nur, weil wir diese selbst finanzieren müssen, sondern auch weil wir den eingeladenen Künstlern und Autoren die notwendige Zeit geben möchten, sich aufeinander einzulassen. So ist jedes Buch in dieser Reihe etwas ganz besonderes, das soll auch der Name »starfruit« (= Sternfrucht) symbolisieren.
 
gallerytalk.net:
Im September ist der neueste »starfruit«-Titel erschienen – »Verbotene Verbesserungen« von Dietmar Dath, dem ehemaligen »Spex«-Chefredakteur, und der Fotokünstlerin Heike Aumüller. Können Sie uns beispielhaft schildern, wie die Zusammenarbeit zwischen Autoren und Künstlern abläuft und wie diese von Ihnen koordiniert werden muss?

Manfred Rothenberger: Häufig hinken Schriftsteller visuell total hinterher und können mit Gegenwartskunst wenig anfangen. Umgekehrt setzen sich viele Künstler nicht mit zeitgenössischer Literatur auseinander. Künstler und Autoren leben also in der gleichen Zeit und gleichzeitig in völlig verschiedenen ästhetischen Räumen. Deswegen finde ich es so spannend, durch »starfruit« diese Räume zu verbinden.
Dietmar Dath und Heike Aumüller kannten und schätzten sich bereits durch gemeinsame Musikprojekte. Das bildete die emotionale Grundlage dafür, sich gegenseitig Bilder und Texte zu senden und diese inhaltlich aufeinander zu beziehen. Das Ergebnis ist ein herrlich schräges Foto- und Lesebuch über Zombiealarm und Feenzauber, über Löwenjagd und Adorno und viele andere schöne Dinge mehr.
In einem gewissen Sinn funktioniert »starfruit« wie eine Partnervermittlung. Wir arrangieren »Blind Dates« zwischen Künstlern und Autoren, bei denen wir uns vorstellen können, dass etwas zwischen ihnen entsteht und manchmal – beileibe nicht immer! – folgt dem ersten Rendez-Vous fröhlich sprühender Funkenschlag, den wir dann – nicht zuletzt dank dem sicheren Händchen unseres Grafikers Timo Reger – zwischen zwei Buchdeckel pressen.

gallerytalk.net: Danke, dass Sie uns einen Einblick in Ihre Arbeit sowie Ihren persönlichen Erfahrungshintergrund gewährt haben. Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg, insbesondere für die Veröffentlichung Ihres neuen Buchs.

Das Gespräch führte Benita Böhm.

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