Oliver Fritsch: Fußball als Nahtoderfahrung

Das Relegationsspiel zwischen dem FC Ingolstadt und dem 1. FC Nürnberg am 11. Juli 2020


Herausgeber: Manfred Rothenberger
Gestaltung: Timo Reger

184 Seiten mit 51 Farb- und 6 s/w-Abbildungen
Hardcover; 14 x 21 cm
25,– Euro

ISBN: 978-3-922895-42-8

Am Abend des 11. Juli 2020 um kurz vor 20.10 Uhr stand der 1. FC Nürnberg vor dem Abgrund. Zu dieser Zeit lief das Relegationsrückspiel in Ingolstadt. Der 1. FC Nürnberg hatte das Hinspiel 2:0 gewonnen, doch kurz vor dem Abpfiff führte der FC Ingolstadt 3:0. Allen Club-Fans war klar: Der Sturz in die Dritte Liga wäre nicht nur eine sportliche Niederlage, sondern könnte den völligen wirtschaftlichen Zusammenbruch des Vereins bedeuten.

Als die Nachspielzeit abgelaufen war und Nürnberg noch ein letzter Angriff gestattet wurde, geschah Wundersames. In der 96. Spielminute schoss Fabian Schleusener mit seinem ersten Tor für den 1. FC Nürnberg das 3:1. Nürnberg war gerettet, in allerletzter Sekunde. Was folgte, war ein einziger Schrei und ein Chaos der Gefühle. Zwar ging das Spiel letztlich für Nürnberg gut aus, aber es war kein Erfolg, der Freude und Leichtigkeit auslöste. Bereits im Moment des Jubels ergriffen von den Club-Fans seltsame Gefühle Besitz – Trauer, Schmerz, Wut und eine große Leere.

Der Autor Oliver Fritsch, Sportjournalist für Zeit Online, verfolgte das Spiel im Innenraum des Max-Morlock-Stadions mit der Belegschaft des FCN, also mitten im Epizentrum des Geschehens. Er ließ sich anstecken von einem Fegefeuer, dessen Hitze noch lange nachbrennen sollte. In den Tagen danach stellte er fest, dass das Spiel auch einen Kumpel aus Studententagen (und Club-Fan von Kindheit an) nicht mehr los ließ. Die beiden beschlossen, ihr traumatisches Erlebnis gemeinsam aufzuarbeiten. Sie mussten reden.

So ist dieses Buch entstanden. Oliver Fritsch und Roland Wittner sprechen über das kollektive Leidenserlebnis Ingolstadt, das Dasein als Club-Fan, verschiedene Begleiterscheinungen des modernen Fußballs, kathartische Abgründe und natürlich das rettende Tor. Zu Wort kommen darüber hinaus Protagonisten und Beobachterinnen dieses Ereignisses – Fußballspieler und Trainer ebenso wie Vereinsangestellte, Fans, ein Fotograf und der Karikaturist Achim Greser.

Es ist ein therapeutisches Buch, eine Art schriftlicher Stuhlkreis – nicht nur für die Autoren und die Club-Fans, sondern für alle Sportbegeisterten, die wissen wollen, was der Fußball mit uns Menschen macht.